Hammeren und Hammerhus

04-01-1993

Wanderungen Nr. 50T (Bornholm)





Revidiert: 1993

Das Nördliche Bornholm
Große Gebiete (ca. 600 ha) im nördlichen Bornholm - durchgehend meist minderwertigere Teile der früheren Heidegebiete - sind in Besitz des dänischen Staates. Einige Gebiete wurden von Menschenhand bepflanzt, in anderen geschah dies mit dem Rückgang der Weidenutzung seit Mitte des letzten Jahrhunderts auf natürliche Weise.

Trotz der dünnen Erdschicht über den Felsen und der Lage in einer sehr windigen Gegend entwickelt der Baumbestand sich an vielen Stellen gut. Gewerbliche Forstwirtschaft, häufig als naturnahe Forstwirtschaft, findet man jedoch nur auf kleineren Arealen. Größere Gebiete werden insbesondere von landschaftlichen und biologischen Gesichtspunkten aus gepflegt.

Im "Slotsgården" findet der Besucher eine Ausstellung über Hammershus sowie eine Cafeteria und einen Kiosk.

Der Naturkundeberater wohnt im Hammershøj.

Die Gebiete werden vom staatlichen Forstamt Bornholm verwaltet.

Nachfolgend eine kurze Beschreibung der einzelnen Gebiete sowie Vorschläge für Wanderungen. Wegen der Gegebenheiten des Geländes können die Wanderungen schwierig sein. Sie sind mit gelben Zeichen an Bäumen, Steinen und Pfählen gekennzeichnet


Slotslyngen
Slotslyngen (die Schlossheide) war ein Teil der Bornholmer Heide und gehörte früher zu Hammershus. 1744 wurde dieses Gebiet wie so viele andere Besitztümer der Krone auf der Insel verkauft und war bis 1909, als die Forstverwaltung Slotslyngen kaufte und unter Naturschutz stellte, in Privatbesitz.
Auch hier nahm der Pflanzenwuchs nach dem Ende der Weidenutzung rapide zu - man sprach geradezu von der "grünen Pest". Deswegen begann die Forstverwaltung 1967 auf einem 25 ha großen Gelände einen der ersten Landschaftpflegeversuche in Dänemark mit Schafen und Zeigen. Das Ziel war, die Heidelandschaft und die Aussicht auf Hammershus wiederherzustellen. Die Landschaft hier ist etwas ganz besonderes: Heide, von Eis abgeschliffene Rundfelsen - und ganz unten das Meer.

Der größte Teil der Slotslyngen ist jedoch mit Bäumen bewachsen - ein verwilderter, abwechslungsreicher und üppiger Wald mit Birken, Kiefern, Eichen, Weißbuchen und Geißblatt.

Eine Wanderung vom Hafen Vang oder vom Finnedalshus nach Harnmershus ist ausgesprochen populär. Man hat die Wahl, über die Burg zu gehen oder sie von unten vom Mølledal aus zu betrachten. Der Rückweg beginht in der Schlucht Paradisdalen, wo der Bach auf einer Strecke unter der Erde verschwindet, und sich über den Troldsberg weiter nach Süden schlängelt.


Hammershus
Die Schloßruine Hammershus liegt auf einem Felsen hoch über der Ostsee (der Burgplatz befindet sich 72 m über dem Meeresspiegel).
Die Ursprünge der Burg sind unbekannt, im frühen Mittelalter war sie jedoch für die Erzbischöfe in Lund eine wichtige Spielfigur in den ständigen Fehden zwischen Kirche und Königshaus. Die Burg war ein Zeichen der Oberhoheit über die Insel und wurde auch zur Aufbewahrung der eingezogenen Steuern benutzt. Die Entwicklung der Artillerie hatte zur Folge, dass die Burg an militärischer Bedeutung verlor, da ihre Kanonen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts veraltet waren. Ihr Abstieg begann mit einen Dasein als Staatsgefängnis und Kaserne für die Garnison der Insel. 1743 wurde die Burg ganz aufgegeben und wurde ab da eine Stelle, an der man Baumaterialien holte bis sie 1822 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Heute sind umfangreiche Instandhaltungsarbeiten der Ruine in Gang, da das Mauerwerk Wind und Wetter ungeschützt preisgegeben ist.

Die gute Beschilderungen gibt viele, nützliche Informationen über die Art und Funktion der einzelnen Gebäude der Burg.

Besuchen Sie die Hammershus Ausstellung im Slotsgården.


Hammerknuden
Der Hammer ist ein gewaltiger Granitfels, der hoch über die Ostsee ragt (bis zu 82 m) und durch eine Schlucht von der Insel getrennt ist. Am Grunde der Schlucht liegt der größte See der Insel, der Hammersø.
Der Hammerknuden ist ein von Gletschern in der letzten Eiszeit geformter Rundfels. Das aus dem Nordosten kommende Eis rieb die Anstoßseite kräftig ab, so daß sie heute von der Schärenküste aus gleichmäßig ansteigt. Die Westseite lag im Schutz, und dort schuf das Meer die steilen Felswände, die an einigen Stellen eigentlichen Vogelfelsen ähnein.

Auf dem Hammer wurde früher Granit gebrochen - eine deutsche Firma begann damit 1880 und baute auch den Hafen Hammerhavn. 1970 wurde der Hammerknuden unter Naturschutz gestellt und der Steinbruch eigestellt - die Spuren sind aber heute noch überall sichtbar.

Es gibt zwei Leuchttürme auf dem Hammer: es zeigte sich schnell, daß der Leuchtturm Hammer aus dem Jahre 1872 keinen geeigneten Standort hatte (der Leuchtturm wurde häufig von niedrigen Wolken oder Nebel verdeckt), und bereits im Jahre 1895 wurde der Leuchtturm Hammerodde errichtet. 1990 wurde der Leuchtturm Hammer abgestellt.

Zum Jahrhundertwechsel war auch der Hammerknuden so gut wie baumlos, dies änderte sich jedoch, je mehr die Weidenutzung zurückging. Heute wachsen dort hauptsächlich Birken, Eichen und Waldkiefern. In den Senken entwickelt sich der Wald ausgezeichnet, die Forstverwaltung ist jedoch bestrebt, den Baumwuchs auf den großen Flächen durch Ausholzen und Verarbeitung zu Brennmaterial sowie Schafhaltung niedrig zu halten. Die Nachwirkungen eines großen Brandes im Jahre 1975 im südlichen Hammerknuden um Stejlebjerg sind heute nock sichtbar. Der Pflanzenwuchs auf diesem Gelände erholt sich jedoch stetig.

Die Flora ist, wie auch sonst auf Bornholm, durch die östliche Lage der Insel geprägt und unterscheidet sich vom übrigen Dänemark. Zu den Ostsee-geprägten Pflanzenarten nahe der Küste gehören Strandkamille, Spargelbohne, Löffelkraut und die rote Zwergmispel. Dazu kommen eine Vielzahl seltener Pflanzen.

Im Frühjahr kommen es zu einer wahren Vogelwanderung, besonders von kleinen Vögeln, aber auch Raubvögeln (z.B. Fischadler und Bussarde), Kranniche, Gänsen, Enten, Kormorane usw. sind zu sehen. Alle Wildarten auf Bornholm, Rehwild, Hasen, Füchse, umm. - sind auch auf dem Hammerknuden vertreten, der eigentlich wie ein Naturschutzgebiet wirkt.

Wie Sie auf der Karte sehen können, ist der Hammerknuden mit einem Netz von Wanderpfaden durchzogen. Viele Bornholmer wählen die Rundwanderung "Hammeren rundt" von Hammerhavn entlang dem Redningsstien am Kælderhals vorbei (eine naturliche Felsbrücke, die in einer Zeit als der Wasserstand höher war als jetzt durch die Einwirkung des Meeres geschaffen wurde), vorbei am Hafen Kragkås und Salomons Kapel (eine mittelalterliche Ruine, von der u.a. Fischfang in grossein Ausmass betrieben wurde; der Pökelfisch wurde über die Hansestädte an die Katholiken im Süden verkauft) und um den Leuchtturm Hammerodde herum. An mehreren Stellen entlang der Küste kann man Schanzen, unter Denkmalschutz stehende Erinnerungen an die Küstenverteidigung, sehen. Der Rückweg um den Opalsø (ein früherer Steinbruch) herum gibt einen guten Eindruck von der Größe des Hammerknuden.

Die Wanderung dauert etwa 2 Stunden und ist recht anstrengend. Man ist fast ständig dem Wind ausgesetzt, weswegen man darauf achten sollte, den Wind im Rücken zu haben.


Hammersholm und Moseløkken
Hammersholm var der frühere Wirtschaftshof der Burg Hammershus. Wegen seiner Länge, dem hohen Sockel mit nach Westen weisendem grossen Raum für besondere Anlässe und dem charakteristischen Fachwerk ist das Wohnhaus aus dem Ende des 18. Jahrhunderts typisch für Bornholm. Der Hof ist verpachtet und auf dem grössten Teil des Landes weiden Hereford Rinder, u.a. auf Weiden mit Baumbewuchs. Die Wanderung zum Moseløkke geht von der Bushaltestelle durch abwechslungsreiche Waldgebiete und an einer kleinen Schlucht vorbei zum großen Steinbruch Moseløkke, der immer noch in Betrieb ist. Moseløkkehus, das aus den verschiedenen Bornholmer Granitarten gebaut ist, beherbergte früher einen Vorarbeiter des Steinbruchs. Heute wird im Moseløkkehus und der dazugehörigen Schmiede im Sommer eine Steinbruchausstellung arrangiert, wo der Besucher versuchen kann, Stein mit entsprechenden Werkzeugen selbst zu bearbeiten. Bitte beachten Sie die alten Schwingkräne. Granit vom Moseløkke wird als Schmuckstein und für Denkmäler verwendet. Östlich des Steinbruchs sind häufig große, gehauene Blöcke am Weg zu finden. Ein großer Teil des gebrochenen Gesteins wird jedoch als Rohmaterial für Bürgersteigkanten und Pflastersteine sowie als Füllkies verwendet.

Die Ortsnamen "Russersletten" (im Nørreskoven) und "Ostanovka" (d.h. kleine Haltestelle) erinnern an die russische Besetzung der Insel nach dem 2. Weltkrieg.

Auf dem Rückweg muß man, um die Weide zu überqueren, über Weidenroste gehen - am westlichen Rost befindet sich eine alte, breite Steinmauer und eine Heubank, die früher zum Trocken des Heus von der Weide benutzt wurde.

Kurz nach Ankermyr sieht der Wanderer einen freigelegten Teil eines mittelalterlichen Weges nach Hammershus. Der Weg wurde offentsichtlich von Fronbauern in Schichtarbeit gelegt, was die Unterschiede der Pflasterung erklärt. Aus der Zeit der Burg findet man in der Umgebung auch viele Hohlwege.


Borrelyngen
Zusammen mit Slotslyngen bildete Borrelyngen den nordwestlichen Teil der Heide, die bis in die 1850er den zentralen Teil der Insel in Form von Heideland und Weiden bedeckte. Mit dem Ende der Weidenutzung verstärkte sich auch hier das Pflanzenwachstum, insbesondere nach dem 2. Weltkrieg. Heute wird Landschaftspflege durch Ausholzung und Schafhaltung betrieben mit dem Ziel, die Heide auf dem Felsen offen zu halten und damit ein Landschaftsbild mit grasenden Tieren unter leichter Bewaldung zu schaffen, das an eine Malerei aus der Mitte des letzten Jahrhunderts erinnert.

Auf der kurzen Rundwanderung sind eine Reihe der für Nordbornholm charakteristischen Merkmale in kleinem Maßstab zu sehen. Vom Parkplatz aus wird die Schlucht Ravnedalen überquert, wo der Wacholder auf den von den Schafen zertretenen Grasflächen wächst. In der Nähe des Bronzezeithügels kann man eine alte Schmiede besichtigen, in der die Werkzeuge für die vielen, kleinen Steinbrüche der Umgebung hergestellt und repariert wurden (Steinbrüche wurden vielerorts errichtet, offenbar war das Gestein selten so gut, wie es den Anschein hatte). Von Knægten, einem Bautastein, konnte man vor 100 Jahren über eine baumlose Heide bis zum Hammershus sehen. Heute ragt nur noch der Manteltårn über Slotslyngen. Nicht weit vom Knægten entfernt findet i i sich auf einer Wiese eine kleine Versuchseinzäunung aus dem Jahre 1975: die Auswirkungen durch die Tierhaltung sind deutlich zu erkennen. Dänemark würde sich, wenn sich selbst überlassen, auf dem schnellsten Weg zu einem Wald entwickeln. In der näheren Umgebung finden sich mehrere solcher Versuchseinzäunungen, deren Entwicklung wissenschaftlich überwacht werden. Nach erneuter Oberquerung des Ravnedalen geht die Wanderung weiter in die Borrelyngen - eine Felsenheide, vom Eis abgeschliffene Rundfelsen mit dünner Erdschicht. Erika und Bäume wachsen in den niederen Teilen und breiten sich über die Felsen. Die Wasserreserven in den dünnen Erdschichten sind sehr klein und Dürrejahre bedeuten für die Vegetation schwere Rückschläge.

Verwaltung
Die Hammeren und Hammerhus  wird vom staatlichen Forstbezirk Naturstyrelsen – Bornholm,  verwaltet tlf. 56 97 40 06.


Wanderungen in den Staatlichen Wäldern
Dünenplanzungen Hammeren und Hammerhus ist Nummer 50 in der Serie von Wanderungen in den Staatlichen Wäldern und sie ist  auch im Druck erhältlich.
Nur wenige in deutcher Sprache.
Faltblätter mit Wanderungen in den Staatsforsten sind in Fremdenferkehrsbüros und Bibliotheken erhältlich.

Das Generaldirektorat für Forst und Natur, das dem dänischen Ministerium für Umwelt und Energie untersteth, verwaltet Gebiete im ganzen Land, die fast alle dänischen Naturformen umfassen. Beim betrieb der Staatsforste werden sowohl Produktions- und Freizeitzwecke als auch der Naturschutz berücksichtigt.


Hammeren und Hammerhus